stettnersinusa

Lebensstationen

Holzkirchen (bis 1992) – In Holzkirchen bin ich mit 4 Schwestern aufgewachsen und zur Grundschule gegangen. Ab der 5. Klasse besuchte ich das Musische Pestalozzi-Gymnasium  in München. Bei Stettners wurde viel musiziert. Nach der obligatorischen Blockflöte im Vorschulalter erlernte ich das Geige-, Klavier- und Orgelspielen und legte die D-Prüfung für Kirchenmusiker im Nebenamt ab. In Holzkirchen spielte ich die Orgel in Gottesdiensten und leitete einen Jugendchor.

München (1992 – 1994) – Gegen Ende der Schulzeit bin ich in meine erste „eigene“ Wohnung im Münchner Süden gezogen. Den Zivildienst leistete ich auf der geschlossenen Station der Heckscher Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie . Unvergessen sind zahlreiche Ausflüge mit dem Fahrrad durch den Forstenrieder Wald zum Starnberger See sowie zwei ausgedehnte Radtouren mit meiner Schwester Hanna durch Skandinavien.

Kiel (1994 – 1996) – Mit den gesammelten Erfahrungen aus der Zivildienstzeit und dem Ziel, einmal Kinder- und Jugendpsychiater zu werden, habe ich mich um einen Medizin-Studienplatz in Kiel beworben. Vom Süden Deutschlands aus gesehen ist die Kieler Universität wohl eine der am weitesten entfernten – sicherlich auch ein Grund für die Bewerbung dort. Neben Anatomie, Physiologie, Biochemie etc. habe ich Finnisch gelernt und die Kieler Umgebung genossen. Ein direktes Austauschprogramm zwischen den Universitäten Kiel und Helsinki ermöglichte nach dem Physikum ein Auslandsjahr in Helsinki.

Helsinki (1996 – 1997) – Knapp ein Jahr lebte ich in Helsinki und studierte neben Medizin auch Finnische Sprache und Kultur. Die Zeit in Helsinki zähle ich zu meiner glücklichsten überhaupt! Noch heute bestehen zu mehreren Mitstudenten aus dieser Zeit Kontakte. Neben einem intensiven Studium (von dem leider in Deutschland dann wenig anerkannt wurde) genoss ich Kultur und Natur in und um Helsinki und in ganz Finnland. Ich habe jede Woche mindestens ein Konzert besucht, war in Lappland langlaufen und wandern, habe den finnischen Teil Kareliens sowie Ahvenanmaa/Åland mit dem Fahrrad bereist und mit Freunden Städte der umliegenden Länder angeschaut (Tallin, Stockholm, St. Petersburg). Es gibt wohl kaum ein Museum in Helsinki, in dem ich nicht mindestens einmal war.

Würzburg (1997 – 2002) – Nach Kiel wollte ich nicht mehr zurückkehren und wechselte an die Würzburger Uni. Diese Entscheidung würde ich wohl heute nicht mehr treffen. Würzburg kam mir schrecklich provinziell vor. Die Begeisterung anderer über das nette Universitätsstädtchen Würzburg kann ich bis heute nicht nachvollziehen. Wahrscheinlich hätte aber kaum eine andere Stadt dem Vergleich mit Helsinki standhalten können.

Turku (2001) – Die Würzburger Zeit wurde unterbrochen durch einen erneuten Aufenthalt in Finnland. Diesmal ging es nach Turku an der Westküste Finnlands. Dort absolvierte ich 6 Monate meines „Praktischen Jahres“ im Zentralkrankenhaus der Universität (Innere Medizin und Pädiatrie). Vielleicht waren die Erwartungen nach dem glücklichen Jahr in Helsinki etwas zu hoch. Wenngleich sehr erlebnisreich, so war die Zeit in Turku eine sehr einsame Zeit. Es gelang mir in Turku nicht wirklich, Kontakte zu knüpfen. Wunderbar und Ziel zahlreicher Ausflüge mit dem Fahrrad und/oder Schiff war die Schärenküste vor Turku. Kulturelle Höhepunkte: Turku Jazz Festival, Jazz Pori, Musikfest Turku, Kammermusikfestival Naantali, …

Bochum (2002 – 2004) – Nach dem Examen und einem längeren Urlaub in Südafrika trat ich meine erste Stelle in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Ruhr-Universität-Bochum an. Im Laufe des Medizinstudiums entwickelte sich mein Interesse von der Kinder- und Jugendpsychiatrie über die Neurologie und Kinderheilkunde zur Neuropädiatrie. In der Bochumer Kinderklinik erhielt ich eine sehr gute allgemeinpädiatrische und neonatologische Ausbildung. Mit dem Weggang einiger Kollegen an andere Kliniken löste sich der Schwerpunkt Neuropädiatrie in Bochum beinahe auf. Auch zeigten sich die wissenschaftlichen Möglichkeiten in diesem Bereich sehr begrenzt. Daher suchte ich nach beruflichen Alternativen und fand eine in Göttingen. Das kulturelle Angebot, ein „Multikulti-Flair“ und der zugegebenermaßen etwas morbide Charme des Ruhrgebiets haben mich begeistert. Bochum habe ich daher nur schweren Herzens verlassen.

Göttingen (2004 – 2009) – Nach Göttingen kam ich, um neben meiner Facharztausbildung an der Forschung über Erkrankungen der weißen Substanz des Gehirns teilzunehmen und in einer renommierten neuropädiatrischen Abteilung zu arbeiten. Nach Anlaufschwierigkeiten im geplanten Forschungsprojekt konnte ich eher zufällig ein Projekt übernehmen, in dem Atmungsstörungen bei Patientinnen mit Rett-Syndrom untersucht werden sollten.  Die Arbeiten hierzu fanden überwiegend in der Abteilung für Neurophysiologie statt und wurden von der amerikanischen Rett Syndrome Research Foundation mit einem PostDoc-Stipendium gefördert. Im neurophysiologischen Labor lernte ich während seines Besuches Prof. Leszek Kubin kennen, in dessen Labor in Philadelphia ab September 2009 eine weitere PostDoc-Phase geplant ist. Im Herbst 2008 schloss ich meine Facharztausbildung ab. Einen klinischen Schwerpunkt stellten die neuromuskulären Erkrankungen dar.
In meiner Göttinger Zeit lernte ich Christine kennen. Im August 2008 heirateten wir. Anfang Dezember 2008 kam dann Jakob dazu. Vor unserem Umzug in die USA gönnten wir uns den Luxus, 6 Monate lang gemeinsam Elternzeit zu beanspruchen. Eine wunderbare Zeit! Wir zelebrierten die Verlangsamung der Zeit, Urlaube in Philadelphia und Norwegen, zahlreiche Ausflüge mit dem Fahrrad ins Göttinger Umland, Besuche bei und von Freunden, … Viele kleine und große Erlebnisse mit Jakob und Christine hätte ich so nie erleben dürfen. Diese Elternzeit möchte ich nicht missen! Vielleicht sollte man alle 5 Jahre eine Auszeit von 1/2 Jahr planen?

Philadelphia (2009 – 2012) – Im September 2009 sind wir nach Philadelphia gezogen. Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft konnte ich mich dort voll der Forschung widmen, eine Ausbildung in einem exzellenten Labor erhalten und Fragen behandeln, die für Erklärungen und Therapiemöglichkeiten von Apnoesyndromen, aber auch dem plötzlichen Kindstod relevant sind.
Jakob besuchte in Philadelphia ab Mai 2010 vormittags einen Kindergarten. Im Januar 2011 komplettierte Johanna die Familie. Einzelne Verwandte nutzten die Gelegenheit und besuchten uns in Philadelphia. Wir selbst nahmen meine Teilnahme an einigen Kongressen zum Anlass, ein wenig im Land herum zu kommen: z.B. New Orleans/Louisiana, Arizona mit Grand Canyon, San Antonio/Texas. Außerdem fahren wir mehrmals nach New York und Washington und machen Urlaub in den White Mountains. Im Januar 2010 und Mai 2011 ging die gesamte Familie auf Deutschlandreise. Im September 2012 sind wir nach einem Abschiedsurlaub in Kalifornien wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Göttingen (2012 – 2016) – Nach einigen Gesprächen kristallisierten sich 2 mögliche Rückkehrziele in Deutschland heraus. Für beide dieser Optionen gab es zahlreiche befürwortende Faktoren, aber auch einige Vorbehalte. Ein zumindest mitentscheidender Faktor war, dass sich die Kinderbetreuung und doppelte Berufstätigkeit in Göttingen dank der bestehenden Kontakte und Kenntnisse der Infrastruktur leichter etablieren ließen. In Göttingen durchlief ich die Weiterbildung im Schwerpunkt Neuropädiatrie, brachte die Habilitation auf den Weg und versuchte, ein eigenes Labor zur Umsetzung meiner Forschungsambitionen zu etablieren. Eine Uni-interne Forschungsförderung erlaubte es, ein Projekt zu planen, deren Umsetzung zunächst an Räumlichkeiten und Equipment scheiterte. Das Ausscheiden eines Lehrstuhlinhabers ermöglichte schließlich die Übernahme von technischem Gerät und einer erfahrenen technischen Assistentin. Es entstand dann jedoch ein Spannungsfeld zwischen Patientenversorgung und Wissenschaft, das zeitlich und inhaltlich wissenschaftliches Arbeiten limitierte.
2014 und 2015 gönnten wir uns jeweils einen Urlaub in Philadelphia – 2014 mit einer ausgedehnten Rundreise durch die National Parks im Süden Utahs, 2015 mit einem entspannten Strandurlaub auf den Outer Banks und einem verlängerten Wochenende in Washington D.C.. Außerdem verbrachten wir kürzere Urlaubszeiten auf Borkum und Poel. 2015 wurde Jakob eingeschult. Ein zunehmend eingespieltes Konzert aus Teilzeit (überwiegend auf Christines Seite), Kindergarten- und Hort- sowie punktueller Großelternbetreuung, einer Tagesmutter für die Randzeitenbetreuung und am Ende zusätzlich einer „Babysitterin“ ließ zwar wenig Spielraum für Überraschungen jeder Art, aber immerhin das Gefühl zurück, dass das Leben und unsere Gestaltung samt doppelter Berufstätigkeit ein stimmiges Lebenskonzept sein kann.

Zürich (ab 2016) – Da sowohl meine beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten als auch Christines Weiterbildungsmöglichkeiten in Göttingen begrenzt erschienen, stellen wir uns einem nächsten großen Familienumzug. Ich nehme die Einladung an, in Zürich als Oberarzt den Neuromuskulären Bereich zu leiten. Es gelingt, auch für Christine eine Weiterbildungsmöglichkeit am Kinderspital zu vereinbaren. Im April ziehe ich zunächst alleine nach Zürich. Nach Abschluss des Schuljahres in Göttingen wird der Rest nach Zürich folgen.

  1. Wie klein doch die Welt ist. Ich habe auch in Bochum studiert und konnte dem wie sagen Sie so schön „Multikulti-Flair“ und dem „morbiden Charme“ sehr viel abgewinnen🙂
    Herzliche Grüße in den USA von einer Exil-Bochumerin😉

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: