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White Mountains

Bereits im April wurden Pläne für unseren Urlaub in den White Mountains geschmiedet. Zwischenzeitlich war nicht ganz klar, ob wir diesen Urlaub überhaupt antreten können. Letztendlich sind wir aber dann doch am Samstag, 27. August 2011, gemeinsam mit Jakobs Freund Linus, Freundin Baby – ist inzwischen dem Babyalter entwachsen, auf unserem Blog nennen wir sie weiterhin so – und deren Mutter Richtung Norden aufgebrochen. Richtige Amerikaner hätten die gut 500 Meilen (etwa 800 km) sicherlich mit dem Auto überbrückt. Da Johanna aber alles andere als begeistert von Autofahrten ist und weil die Flugtickets wirklich günstig waren, haben wir beschlossen, bis zum Regionalflughafen Boston-Manchester in New Hampshire zu fliegen. Die restliche Autofahrt bis zu unserem Ferienhaus reduzierte sich damit auf unter 150 km, die totale Reisezeit dürfte aber in etwa gleich gewesen sein.

Als wir mit dem Airport Shuttle zum Flughafen fahren, macht sich Philadelphia gerade auf die Ankunft von Hurricane Irene bereit. Unser Flug startet pünktlich. Eine ganze Reihe von Flügen von und nach Philadelphia wurden jedoch bereits gestrichen, v.a. jene entlang der südlichen und mittleren Ostküste der USA. Die obligatorische Wartezeit vor dem Boarding vergeht diesmal gemeinsam mit Freund Linus schnell – alles, was in gespannter Aufregung in den vergangenen Tagen immer und immer wieder in einem Bilderbuch angesehen wurde, begonnen mit der Sicherheitskontrolle bis hin zu den Bewegungen auf dem Rollfeld (Flugzeuge, Tanklaster, Gepäcktransporter, Mechaniker, …), kann jetzt in Realität beobachtet werden.

Der Flug nach Manchester dauert nur eine gute Stunde. Am Flughafen verbringen wir aber noch einmal beinahe 2 Stunden, um den Mietwagen abzuholen und v.a. die 4 notwendigen Kinder-/Babysitze in unseren 7-Sitzer Minivan einzubauen – eine beinahe unlösbare Aufgabe, da das sonst als Familienkutsche hoch gelobte Auto vorsieht, insgesamt nur 3 Kinder-/Babysitze zu integrieren und dies auch noch an strategisch denkbar ungünstiger Position. Leicht genervt, aber mit allen Kindern in vorschriftsgemäß gesicherten Kindersitzen, geht es schließlich los Richtung White Mountains. Und da alle Kinder der Reihe nach einschlafen – Johanna erst nach dem obligatorischen 1/2 stündigen Schreikonzert fahren wir beinahe bis zum Ziel durch, fallen hungrig über eine Pizzeria her und kaufen noch alles Notwendige für den kommenden Tag ein.

Hurricane Irene wird in der Zwischenzeit zum Tropensturm herabgestuft und schickt gleichzeitig mit unserem Eintreffen an unserem Ferienhaus die ersten Regenschauern. Das Ferienhaus liegt am Ostrand der White Mountains am Saco River im Mount Washington Valley. Die White Mountains erstrecken sich über beinahe 1/4 des Staates New Hampshire und sind Teil der Apalachen. Charakteristisch sind U-förmigen Täler, die sogenanten Notches und Relikte längst geschmolzener Gletscher, und weit geschwungene Berge. Der höchste Berg ist der Mount Washington mit knapp 2.000 m Höhe. Die White Mountains stellen eine ausgesprochen populäre Touristenregion im Nordosten der USA dar. Im Winter gibt es hier sehr gute Wintersportbedingungen, im Sommer kann man gut wandern, und im Herbst zieht die „Foliage“ oder der „Indian Summer“ hunderttausende von Touristen an. Ursprünglich war unser Plan, in den White Mountains ein wenig wandern zu gehen. Es stellt sich allerdings schnell heraus, dass Johanna noch nicht „reif“ für längere Wanderungen in der Kraxe ist. V.a. sitzt sie noch nicht frei, womit sie in der Kraxe zu wenig Halt findet. Außerdem ist das Erwachsene/Kinder-Verhältnis mathematisch etwas ungünstig. 3 Erwachsene können halt nur schlecht 4 Babys/Kleinkinder tragen…

Vom Haus selbst haben wir keine Fotos gemacht. Es war ein sehr schönes, lichtdurchflutetes Haus, mit reichlich Spielmöglichkeiten für die Kinder am einzigen Regentag (reichlich elektrisiertes amerikanisches Spielzeug) und bei schönem Wetter (Sandkasten, Rutsche, Dreirad, …), das aber auch, obwohl noch nicht besonders alt, die typischen Mängel eines Ferienhauses zeigt, das nicht auch von den Besitzern genutzt wird und die möglicherweise nicht den Blick für diese Mängel haben. Auch wenn das Haus wirklich schön war, muss es sich doch in der Reihenfolge unserer bisherigen Ferienhäuser hinter jenen am Grand Canyon und in Louisiana einreihen.

Der Blick von der Terasse:

Die „Gruppendynamik“ ist zeitweise etwas schwierig, v.a. wegen der „großen Jungs“, die zwar auch sehr schön und friedlich miteinander spielen können, aber auch sowohl Phasen haben, in denen sie miteinander alle 5 Minuten in heftigsten Streit geraten und sich meist an ein und das selbe Spielzeug festbeißen, als auch Phasen, in denen entweder der eine oder der andere mit sich und der Welt nichts mehr anzufangen weiß. Schwieriger hatte es diesbezüglich sicherlich unsere Freundin, die, wenn auch durch uns unterstützt, die emotionalen Schwankungen von 2 Kleinkindern alleine auffangen muss. Wir haben daher nur einen Teil des Ferienprogramms gemeinsam unternommen.

Sonntag, 28. August 2011

Der Regen wird in den frühen Sonntagmorgen Stunden immer stärker. Und da wir vor Stromausfällen gewarnt werden, brechen wir vormittags noch einmal zum Einkaufen auf und verbringen den Rest des Tages schließlich tatsächlich ohne Strom und fließendem Wasser im Ferienhaus. Der Sturm hat wohl den größten Teil seiner Kraft bereits verloren, es regnet aber kontinuierlich und kräftig. Die Schäden, die wir an den kommenden Tagen beobachten können, stammen auch alle von über die Ufer getretenen Bächen und Flüssen her: Überschwemmungen, weg- und unterspülte Straßen, überflutete Brücken etc.

Dieser Regentag zeigt eindeutige Längen, v.a. weil Jakob und Linus immer wieder mit dem gleiche Spielzeug spielen wollen und noch nicht so richtig teilen oder sich abwechseln können. Wie gut, dass der Regen am späten Nachmittag nachlässt und einen kurzen Spaziergang um das Ferienhaus herum ermöglicht. Kurze Zeit später beginnt dann der Kampf gegen die Dunkelheit, ausgefochten mit einer Kerze, einer Taschenlampe und einem Leselämpchen…

Jakob schläft während unseres Urlaubs zum ersten Mal alleine in einem großen Bett und ohne Ausbruchssicherung (=Gitter). Das funktioniert erstaunlich gut, wenn man von den beiden Stürzen aus dem Bett (einer schmerzhaft, der andere völlig unbemerkt) und den frühmorgendlichen Ausflügen durch das Haus absieht. So wird Jakob u.a. eines Morgens vor dem Kühlschrank mit einer beinahe leer gegessenen M&M-Schachtel gefunden. Und nicht nur einmal stand Jakob morgens still und beobachtend am Bett seiner noch schlafenden Eltern…

Montag, 29. August 2011

Die Überschwemmungsfolgen schränken unser Ausflugsrogramm ein wenig ein. Die ausgewählte Morgenaktivität, eine etwa 1-stündige Fahrt mit einem historischen Zug, startet 1 Stunde später, da erst noch das Gleisbett an einigen Stellen repariert werden muss. Wir überbrücken die Zeit in einem netten Cafe und auf einem Spielplaz und fahren dann mit einem der North Conway Scenic Railroad einige km entlang des Saco Rivers nach Süden und wieder zurück. Jakob ist sehr ernst fasziniert und begeistert vom Zug, der bei jedem der vielen Straßenübergänge ausgiebig klingelt und laut hupt. Danach geht es zum Lunch in einen Irish Pub (Sandwich, Burger und Pommes), wo jedes der Wasser- und Colagläser gefühlt mindestens 1x umfällt…

Im Cafe in North Conway:

North Conway Scenic Railroad:

Am Nachmittag erkunden wir ein wenig das Umfeld unseres Ferienhauses und machen am frühen Abend noch einen kurzen Ausflug auf den Cathedral Ledge, eine steile Felsformation. Mit dem Auto kann man fast bis an die Abbruchkante fahren und dann ein paar Schritte an ihr entlang laufen. Ein schöner Ausblick und schöner Sommerabend.

Dienstag, 30. August 2011

Wir brechen mit dem Auto nach Norden auf und wollen zunächst Glen Ellis Falls ansehen, angeblich einer der eindrücklichsten  und am leichtesten zugänglichen Wasserfälle der Region. Der Zugang ist jedoch infolge der Überschwemmung gesperrt. Mit einer Gondel fahren wir dann auf den Wildcat Mountain und haben einen sehr schönen Blick auf den Mount Washington und die umliegenden Berge.  Leider kann man oben kaum wandern, zu felsig und nass. und so gehen wir ein wenig auf der Skipiste spazieren, bis die Geduld von Linus und unser Kinderbestechungsrepertoir erschöpft sind.

Auf dem Wildcat Mountain:

Mount Washington:

Auf dem Rückweg gibt es vor unserem ersten Besuch im Story Land eine Lunch- und Eispause. Das Story Land ist für Familien ganz eindeutig die Attraktion der Region. Interessanterweise ist die Geschichte des Freizeit-/Vergnügungsparks mit Deutschland eng verbunden: Die Gründer des Parks haben in den Nachkriegsjahren eine große Anzahl von deutschen Puppen (Figuren aus Märchen und bekannten Kindergeschichten) gekauft und diese in den Anfängen des Story Land ausgestellt. Heute können sich Kinder und ihre Eltern mit etwa 30 Karussells, Achterbahn, Schiff- und Wildwasserfahrten, Riesenrad etc. vergnügen. Der Spaß ist natürlich nicht ganz billig. Allerdings bekommt man eine freie Tageskarte für einen weiteren Besuch, wenn man an einem Tag erst nach 15 Uhr  ein Ticket kauft. Linus und Jakob sind jedenfalls begeistert:

Mittwoch, 31. August 2011

Vormittags machen wir eine kleine Wanderung auf den Black Cap, einen kleinen Gipfel östlich des Saco Rivers, von dem man einen schönen Blick auf den Mount Kearsarge, dem Hausberg von North Conway, und auf die White Mountains einschließlich Mount Washington hat. Die ersten paar 100 m klettert Jakob abwechselnd von Stein zu Stein oder balanciert auf Wurzeln. Unterschiedlichste Bestechungsversuche erschöpfen sich aber schnell und es wird erst einmal eine erste Pause zum „Apfafaff“ (Apfelsaft) trinken eingefordert. Jakob nimmt dann seinen Platz in seiner neuen Kraxe ein. Johanna hat sich als noch zu instabil für einen Kraxentransport erwiesen. Wie von den Herstellern angegeben sollte der Nachwuchs wohl frei sitzen können, um in einer Kraxe transportiert zu werden… Es kommt daher der Ergocarrier, ein Babytragesystem, zum Einsatz.

Der Nachmittag vergeht mit Spielen im Plantschbecken und Sandkasten, sowie mit dem Dreirad. Das für abends geplante Grillen muss geruchsintensivst auf den Herd verlegt werden. Der Gasgrill erreicht laut eingebautem Thermometer nur eine Temperatur von etwas mehr als 100°C. Die Kinder verdrücken ihre Würstchen aber trotzdem.

Donnerstag, 1. September 2011

Zur Feier des Tages steht ein Ausflug auf den Mount Washington an. Der Tropensturm Irene und ihre Regengüsse haben allerdings Teile einer wichtigen Verbindungsstraße weggeschwemmt, die wir eigentlich zur Talstation der Zahnradbahn auf den Mount Washington nehmen wollten. Wir entscheiden uns dafür, den Umweg und die 1 1/2 Stunden lange Fahrt (anstatt 45 Minuten) trotzdem auf uns zu nehmen und werden mit einer eindrucksvollen Fahrt auf den Mount Washington belohnt. Die oberen 50-100 Meter liegen leider in den Wolken, so dass wir die Bergkulisse nur aus dem Zug bestaunen können. Die Mount Washington Cog Railroad ist die älteste, auf einen Berggipfel fahrende Zahnradbahn und wurde 1869 in Betrieb genommen. In knapp 5 km werden 1200 Höhenmeter überwunden. Im Bereich der Jakobsleiter muss eine Steigung von über 37% bezwungen werden. Die ehemaligen Dampflokomotiven wurden in den vergangenen Jahren durch Diesellokomotiven ersetzt. Nur noch für eine Fahrt täglich wird eine der alten Dampflokomotiven eingesetzt.

Auf dem Heimweg feiern wir den Tag noch mit einem Besuch in einem indischen Restaurant. Dieser Besuch war etwas riskant, denn Jakob hatte sich in den Kopf gesetzt, unbedingt wieder einmal Pommes mit Ketchup essen zu wollen. Nicht selbstverständlich aber zu unserem Glück gab es tatsächlich eine Liste mit Kindermenüs und u.a. Chicken Fingers mit Pommes, so dass alle gleichermaßen den Restaurantbesuch genießen konnten.

Freitag, 2. September 2011

Wir nutzen die Story Land Freikarten und verbringen beinahe den gesamten Tag dort:

Mit einem Ausflug zu Diana’s Bath, einem kleinen Wasserfall in unmittelbarer Nähe zu unserem Ferienhaus, beenden wir unseren Urlaub in den White Mountains.

Samstag, 3. September 2011

Packen und Aufräumen, kurze Spielplatz- und Cafepause in North Conway, Fahrt zum Flughafen Manchester und Flug nach Philadelphia.

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