stettnersinusa

Washington D.C.

28.-30. Dezember 2009: Die Tage zwischen den Feiertagen haben wir für einen Ausflug nach Washington D.C. genutzt. Am Montag ging es mit dem Zug von Philadelphia nach Washington. Schon in den Tagen zuvor war die gesamte Familie ziemlich erkältet. V.a. Jakob hatte wieder einmal eine richtige Schniefnase und schlief nachts noch schlechter als sonst.  Im total überheizten Zug fühlte sich Jakob dann wärmer als sonst an. Als Kinderarzt habe ich nie akzeptiert, wenn Eltern die Diagnose Fieber mit Hilfe der Fühlmethode gestellt haben („Haben Sie denn nicht Fieber gemessen???“), aber wir wollten das ja wohl in Anbetracht unseres soeben begonnenen Washington-Besuchs auch so genau  nicht wissen… Außerdem war Jakob an unserem ersten Tag in Washington zwar etwas ruhiger als sonst, aber doch ganz gut drauf.

Union Station in Washington D.C.

Unsere Suite (sic!) im Hotel war ganz akzeptabel, aber bei weitem nicht so luxuriös, wie man es der Beschreibung entnehmen hätte können. Die Lage (wenige Minuten zu Fuß zum Weißen Haus und nach Downtown) war dafür optimal. Wir hatten sehr schönes Wetter. Allerdings wehte ein dermaßen kalter Wind, dass wir es nur kurz draußen aushalten konnten.

Unseren ersten Tag haben wir mit dem obligatorischen Gang zum Weißen Haus begonnen und dabei den National Christmas Tree besichtigt. Dieser wird umgeben von einer Gallerie kleiner Weihnachtsbäume für jeden Staat von Amerika. Ein Besuch des Weißen Hauses selbst wäre nur mit erheblichem Aufwand für Ausländer möglich gewesen (müsste über die Deutsche Botschaft organisiert werden…). Und so hat uns die Kälte in das Visitor Center getrieben. Das Visitor Center allerdings ist beinahe ein wenig lächerlich (sorry, liebe mitlesende Amerikaner!). In einem großen Raum eines benachbarten Regierungsgebäudes (Zugang gesichert wie der Checkin am Flughafen) sind nicht besonders liebevoll einige Stellwände (die teils eindeutig schon bessere Zeiten gesehen haben…) mit sehr unterschiedlichem Informationsniveau verteilt. Für das Visitor Center einer der für das nationale Interesse am bedeutendsten Attraktivität haben wir einfach mehr erwartet.

White House, National and Pennsylvanian Christmas Tree

Als erstes Museum haben wir die National Gallery of Art besichtigt. Den Anspruch zu erfüllen, eine weltbedeutende Gallerie mit beteutenden Werken zu füllen und dann auch noch ansprechend zu gestalten, ist sicherlich nicht einfach. Teile der Gallerie, insbesondere im architektonisch sehr interessanten East Building, sind sehr beeindruckend. Aber die Wirkung der einzelnen Werke kann sich nur schwer entfalten, wenn sich nur Bedeutendstes an Bedeutendstes reiht. Besonders „artefiziell“ wirken die 2 Räume mit van Goghs, Monets, Renoirs, etc., die irgendwie auch völlig fehl am Platz zwischen den Gallerien der Postmoderne eingereiht sind. Sollen hier die Besucherströme auf der Suche nach Matisse und Picasso noch durch die Contemporary Art geschleust werden? Sicherlich eine bedeutende Sammlung, aber… Jedes bedeutende Kunstmuseum muss wohl Werke mit europäischen Impressionisten vorhalten. Trotz der kritischen Töne: Ein Besuch der National Gallery of Art lohnt sicherlich.

National Galery of Art

In der Abenddämmerung haben wir dann einen Blick auf das Capitol geworfen und sind zum Abschluss des Tages in das John F. Kennedy Center for the Performing Arts gegangen und haben den Klängen eines kostenlosen Orgelkonzertes gelauscht. Jakob hat immerhin beinahe 30 Minuten ausgehalten, bevor er in der Lautstärke mit der Orgel zu konkurieren versuchte… Übrigens: Kultur ist (und das ist sicherlich eine Ausnahme für die USA) in Washington häufig kostenlos. Keines der Museen, die wir besucht haben, hat Eintritt verlangt.

Capitol

Unseren 2. Tag in Washington haben wir mit dem Besuch der Phillips Collection begonnen. Ein wunderbares Museum, das in der Selbstdarstellung einlädt zu einer „extraordinary collection ranging from masterpieces of French impressionism and American modernism to art of the present day“. Hier wirken die Kunstwerke von Cezanne und van Gogh neben vielen weiteren nicht wie eine notwendige Beigabe, sondern im Rahmen der Sammlung wie ein Gesamtkunstwerk. Selbst Rothko’s Werke, die meist platt ausgedrückt nur 2 unterschiedlich große Rechtecke auf einer großen Leinwand in diveresen farbigen Variationen darstellen, entwickeln hier eine besondere Ausstrahlung. Wir waren uns jedenfalls einig, dass dieses Museum zu den schönsten gehört, die wir bisher gesehen haben. Jakob war nicht so begeistert (außer vom Treppenhaus), gönnte uns dann aber (schlafend und ohne begleitendes Kreischen) einen 2. ausgedehnten Gang durch die Ausstellungen.

The Phillips Collection

In einem architektonisch sehr interessanten Gebäude ist seit wenigen Jahren (durchaus mit leisen selbstkritischen Tönen) eine Ausstellung den ursprünglichen Bewohnern der beiden amerikanischen Kontinente gewidmet: Das National Museum of the American Indian. Man bräuchte hier sehr viel Zeit, um tiefer einzudringen. Bei den Massen, die sich durch dieses Museum geschoben haben, möchten wir lieber nicht wissen, wie dies in der Hochsaison des Tourismus aussieht…

An diesem Tag hatte nicht nur Jakob eine Pause mit Spätnachmittagsschlaf im Hotel nötig. Jakob kam allerdings abends in einem weiteren kostenlosen Konzert im U.S. Botanic Garden auf seine Kosten: Ein lustig verkleideter Chor hat (nicht nur) Weihnachtslieder gesungen. Jakob war zwar auch von „Jingle Bells“ etc. angetan, viel mehr aber von einer Modelleisenbahn, die um einen Weihnachtsbaum gefahren ist.

Am letzten Tag haben wir einen Blick vom Old Post Office Tower geworfen und noch das Smithsonian American Art Museum besucht. Dieses Museum (v.a. die Sonderausstellung „1934: A New Deal for Artists“) hat uns sehr gut gefallen, vielleicht weil es kaum Bekanntes und viel Neues zu entdecken gab.

Blick vom Old Post Office Tower

Smithsonian American Art Museum

Jakob und Christine in Washington

  1. Sounds like you had a very interesting trip to D.C.–I’m excited to hear more about it in person!

    Just a note about visiting the White House: it’s not easy for American citizens, either, anymore. We have to submit a visitation request through our representative in Congress at least 30 days in advance of the proposed visit, and are subject to a background check before approval is granted.

  2. Danke für den interessanten und hilfreichen Artikel! Hab mir gleich den Performance Plan für diese Woche vom Kennedy Center rausgesucht und ein kostenloses Konzert gefunden. Außerdem werd ich vorher an einer kostenlosen Führung teilnehmen.
    Danke für den Tip!

    Und gut zu wissen, dass man sich das Visitor Center vom weißen Haus sparen kann…🙂

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