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Neuroscience 2011 / Washington D.C.

Das jährliche Meeting der Society for Neuroscience findet in diesem Jahr in Washington D.C. statt. In den vergangenen Jahren war ich schon ein paar Mal in Washington, das Sightseeing rückte daher etwas in den Hintergrund. Wer gerne die üblichen touristischen Fotos vom White House, Capitol etc. sehen möchte, kann die Berichte über unseren mehrtägigen Ausflug nach Washington zwischen den Jahren 2009 und einen Tagesausflug im Sommer 2010 nachlesen und die entsprechenden Bilder ansehen.

Das Hotel lag bequemerweise direkt neben dem Konferenzzentrum. Da ich von meinem Zimmer im 11. Stock des Hotels aber nicht nur einen ungetrübten Blick auf eine Großbaustelle, sondern auch auf die Kuppel des Capitols hatte, folgt hiervon doch ein Bild. Ein Blick auf das Kongresszentrums wurde nach etwa 100 m Fußweg möglich.

Ich habe mir während des 5-tägigen Aufenthaltes in Washington natürlich trotzdem die eine oder andere Auszeit genommen, v.a. um drei meiner Lieblingsmuseen zu besuchen. Das ist bei der Masse an wissenschaftlichen Input auch ab und zu notwendig. In diesem Jahr waren wieder weit mehr als 30.000 Teilnehmer mit knapp 20.000 wissenschaftlichen Beiträgen auf der Konferenz. Die Mehrheit dieser Beiträge stellen Vorstellungen von sehr speziellen Forschungsergebnissen in Form eines Posters dar. Inhaltlich ist so ziemlich alles vertreten, was in den Bereich der Grundlagen- und angewandten Forschung in den Neurowissenschaften passt: Von Schlafforschung in Fliegen und Würmern über mathematische Modelle der Funktionsweise einzelner Ionenkanäle an Nervenzellmembranen oder der Netzwerkaktivität verschiedener Nervenzellkerngebiete bis hin zu funktioneller Bildgebung bei Patienten und Verhaltensforschung an Ratten.

 

Während ich die letztjährige Neuroscience-Tagung in San Diego eher als frustrierend empfunden habe, weil ich das Gefühl hatte nicht einmal die Beiträge in meinem eigenen, überschaubar kleinen wissenschaftlichen Bereich verstehen zu können, bin ich diesmal über so manchen intellektuellen Lichtblick gestolpert. Manches habe ich mir sogar eingebildet, verstanden zu haben… Aber vielleicht hat die vorangegangene Neuroscience-Tagung einfach nur die Erwartungshaltung etwas nach unten justiert. Unerfüllt ist weiterhin weitgehend die Hoffnung geblieben, Impulse und Ideen für meine wissenschaftliche Zukunft in Deutschland zu erhalten. So langsam sollte ich diese Ideen allerdings entwickeln, denn wenn ich mir nach meiner Rückkehr nach Deutschland eine gewisse wissenschaftliche Freiheit vom klinischen Alltag erkaufen möchte, brauche ich hierfür Forschungs-Drittmittelgelder, und die fallen nicht einfach so vom Himmel.


Sehr schön war es, eine Reihe ehemaliger Kollegen aus dem Göttinger Labor wieder zu treffen, in dem ich meine wissenschaftliche Karriere im Bereich der Atmungsphysiologie begonnen habe. Die beiden, mit denen ich damals am meisten zu tun hatte, sind inzwischen längst nicht mehr in Deutschland, sondern ebenfalls in den USA bzw. in Australien gelandet. Wir haben zwei nette Abende miteinander verbracht. Beim 2. Abend wurden wir schließlich quasi aus dem Restaurant geschmissen, in dem wir uns festgequatscht hatten. Es ist in den USA nicht wirklich üblich, dass man nach dem Dinner in einem Restaurant noch mehrere Stunden sitzen bleibt. Wir bekamen also nach der obligatorischen Frage nach Deserts zum ersten Mal die Rechnung. Unsere Frage, ob wir mit ein paar Drinks noch sitzen bleiben können, wurde etwas irritiert bejaht. Dass ich dann irgendwann einen Espresso bestellte, wurde fälschlicherweise aber sichtlich erleichtert als Zeichen gewertet, dass wir nun für einen Aufbruch bereit wären und zum 2. Mal die Rechnung gebracht. Die Irritierung unsererseits wurde von einem sehr direkt agierenden Kollegen genutzt, um den Kellner zu fragen, ob er uns loswerden wolle, was natürlich noch viel irritierter verneint wurde. Nach einer Weile kam er dann das 3. Mal mit der Rechnung, die wir dann wohl zu lange ignorierten, da der Kellner die Bezahlung dann mehr oder weniger einforderte…


Die Bilder sind übrigens 1) aus dem Smithsonian American Arts Museum, das mich bereits vor 2 Jahren begeistert hat, vielleicht weil dort so viel Unbekanntes zu entdecken ist, 2) aus der Phillips Collection, das zu meinen Lieblingsmuseen überhaupt gehört, und 3) aus dem Hirschhorn Museum. Wer Washington besucht und ein gewisses Kunstinteresse hat, sollte diese Museen unbedingt besuchen. Alle 3 liegen etwas abgelegen von den allgemeinen Touristenströmen. Man muss sich also nicht wie bei manchen anderen Museen in Washington gleichzeitig mit hunderten weiteren Besuchern durch die Galerien drängen.

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