stettnersinusa

Fortschritte

In Uncategorized on 17. Februar 2012 at 12:09

Die Zeit verrinnt momentan sehr schnell zwischen langen Experimenten im Labor, kurzen Nächten zu Hause und einem zumindest teilweise der Arbeit geopferten Wochenende. Johanna, die in anderen Entwicklungsbereichen sehr schöne Fortschritte macht, schafft es nicht, ihre innere Uhr an die familiären Gewohnheiten anzupassen. Irgendwann zwischen 4 und 5 Uhr wacht sie jede Nacht auf und möchte den Tag beginnen. Nicht, dass sie da schon ausgeschlafen, fröhlich und ausgeglichen wäre… Im Bett muss sie lautstark weinen, auf dem Arm herumgetragen ist sie auch nicht wirklich glücklich, und die innere Uhr, die befiehlt „Sei jetzt wach!“, kämpft ganz offensichtlich gegen die uhrzeitmäßig adäquate Müdigkeit an. Aber: Seit ein paar Tagen steht sie frei – zumindest so lange bis ihr selbst bewusst wird, dass sie gerade frei steht… Sie liebt Bücher genauso wie Jakob. Und nach einer längeren Pause nach dem beinahe gleichzeitigem Erscheinen der ersten 6 Zähne glänzt nun das 7. Zähnchen in Johannas Mund.

Auch Jakob überrascht uns immer wieder. Sehr nervig und anstrengend ist das Austesten der Grenzen, die so gut wie alle Alltagsabläufe betreffen. Vielleicht sollte man das aber positiv sehen: Immerhin erfasst Jakob chirurgisch genau, wo anzusetzen ist, wenn man Schwester und/oder Eltern innerhalb von Millisekunden auf die Palme bringen möchte. Wenn das im Positiven auch so funktioniert, ist das ja eigentlich eine gute Grundlage für Sozialkompetenz. Oder? In anderen Situation zeigt er eine so große Ernsthaftigkeit, dass man sich lange mit ihm „unterhalten“ kann. Das dreht sich dann zwar um die typisch XY-lastigen Themen Feuerwehr, Krankenwagen, Polizei, Müllabfuhr, Flugzeug, Baustellen etc. Aber es zeigt sich der natürliche Drang, die Hintergründe erfassen zu wollen. „Why?“ ist nach „No!“ sicherlich das häufigste Wort aus Jakobs Mund… Mit der gleichen Ernsthaftigkeit, wenn auch mit einem stolzen Blick und dem Schalk im Nacken versehen, zog er kürzlich wieder einmal sein Giraffenkostüm heraus und lief 2 Tage als Giraffe in der Welt herum. In Deutschland wäre das zur Faschingszeit momentan ja nicht wirklich etwas Besonderes. Hier (Fasching ist hier gänzlich unbekannt) war Jakob damit lange nach/vor Halloween eine absolute Ausnahmeerscheinung. Stolz berichtete er abends, wer das im Kindergarten alles lustig fand… „XXX fand lustig, Papa! Und XXY auch.“ Jedenfalls stand Jakob im Giraffenkostüm im Kindergarten sicherlich einmal einen Tag lang voll im Mittelpunkt. Entsprechend gut gelaunt war Jakob auf dem Heimweg, der dann meanderförmig am Supermarkt, den üblichen Balancierstellen, einer Baustelle, etc. vorbeiführen musste. Der Heimweg (normalerweise 10-15 Minute) dauerte 2 Stunden… Und zwei Tage später berichteten sogar zwei Mütter unabhängig voneinander, wie beeindruckt ihre Kinder von Jakob als Giraffe waren und die Jakobgiraffe noch immer ständiges Gesprächsthema in diesen Familien sei: „My kids are big fans of Jakob!“

Im Labor gibt es auch wieder einmal ein Phase des Fortschrittes. Wahrscheinlich sind es diese wenigen Wochen mit mehr oder weniger erfolgreichen Experimenten, die die monatelangen Durststrecken mit Mißerfolgen, langweiligem Datenauswerten und Schreiben der 143. Überarbeitung eines Manuskripts neutralisieren und Forschung in der Summe doch attraktiv machen. Einfach ist das Leben in einer verhältnismäßig erfolgreichen Phase aber trotzdem nicht, denn die Experimente beginnen momentan um 8 Uhr morgens mit einer mehrstündigen mikrochirurgischen Vorbereitung der Versuchstiere, um dann irgendwann nachmittags mit dem eigentlichen experimentellen Protokoll beginnen zu können. Momentan geht es darum, die Aktivität bestimmter Nervenzellen im Hirnstamm und deren Reaktion während pharmakologischer Interventionen zu untersuchen. Das zieht sich dann nochmal regelmäßig bis Mitternacht hin. Wenn immer dienstags und donnerstags solche Experimente anstehen, verschwimmt ein Großteil des Mittwochs und Freitags im Schlafentzugsnebel, steht jedenfalls nicht wirklich für intellektuelle Höhenflüge zur Verfügung. Der Montag ist geprägt von Vorbereitungen für die folgenden Experimente, und so vergeht dann eine Woche nach der anderen. Da es aber noch weitere laufende Projekte im Labor gibt und das sonstige private und familiäre Leben in einer solchen Phase nicht stehen bleiben, wird die ToDo-Liste immer länger und die Unordnung auf dem Schreibtisch immer größer. Aber: Es sind nur noch 4 weitere Experimente geplant. Bleibt zu hoffen, dass ich dann genügend auswertbares Datenmaterial zusammengetragen habe…

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