stettnersinusa

Sparen auf Amerikanisch #2

In Uncategorized on 27. Juli 2011 at 22:10

Die Nervosität in Anbetracht der drohenden Zahlungsunfähigkeit der USA nimmt momentan spürbar zu – allerdings mehr in „außeramerikanischen“ Medien als in den USA selbst – auch wenn oder gerade weil die beiden Parteien sich immer weiter von einem Kompromiss weg zu bewegen scheinen. Ein deutscher Kommentator stritt heute ab, dass es in den USA überhaupt Parteien im europäisch demokratischen Sinne gibt und bezeichnete die beiden Parteien Amerikas als nichts mehr als Wahlkampfvereine. Egal wie die Haushaltsdebatte ausgeht, es kann wohl kaum etwas über die desolate Wirtschafts- und Finanzsituation der USA hinwegtäuschen. Dank der Unsicherheit in der Haushaltsdebatte, der in den vergangenen Monaten wieder leicht gestiegenen Arbeitslosigkeit und einer leicht sinkenden Wirtschaftsleistung der USA stagniert der Wert des Euro in Relation zum USD auf relativ hohem Niveau, und das trotz der Lage in Griechenland und anderen Euro-Staaten und der unsicheren Wirksamkeit der Rettungsschirm-Maßnahmen. Gleichzeitig findet wohl gerade ein gigantisches Umschichten von staatlichen und privaten Devisenrücklagen in stabilere Währungen und Werte statt und dies betrifft wohl den USD aktuell mehr als den Euro.

Bezüglich der Auswirkungen auf Bildung und Wissenschaft sind mir in den vergangenen Tagen folgende Meldungen aufgefallen:

Der Zwang, immense Einsparungen im Bundeshaushalt vorzunehmen, führt u.a. dazu, dass das Budget der National Institutes of Health (NIH) um 1-2 Milliarden USD gekürzt werden soll, was etwa 5% des NIH-Haushaltes entspricht. Etwa 30% der gesamten biomedizinischen Forschung in den USA wird über NIH-Drittmittel finanziert. Sparmaßnahmen haben bereits jetzt in Teilbereichen dazu geführt, dass junge Wissenschaftler, die am Anfang einer unabhängigen akademischen Karriere stehen, kaum noch Chancen haben, NIH-Drittmittelgelder einzuwerben, weil ganze Förderprogramme beendet oder deutlich reduziert werden und darüberhinaus Folgeanträge von bereits etablierten Gruppen gegenüber Erstanträgen priorisiert werden. Erfolgreich eingeworbene Drittmittel sind aber in der Regel Voraussetzung für eine längerfristige berufliche Perspektive an amerikanischen Universitäten. Abgesehen davon, dass das Wissenschaftssystem der USA in immensem Ausmaß von einer indirekten Querfinanzierung durch andere Staaten profitiert (z.B. durch Stipendien, die wie in meinem Fall einen Aufenthalt in den USA ermöglichen und dem amerikanischen Wissenschaftsstandort (beinahe) kostenlose Wissenschaftler zuführen), gefährden die USA damit den akademischen Mittelbau massiv.

Besondere Einschnitte müssen auch die staatlichen Universitäten hinnehmen. Als (vielleicht nicht ganz repräsentatives) Beispiel sei die angesehene University of Clifornia Berkeley genannt, die in Rankings ganz vorne unter den sonst nur privaten Universitäten vertreten ist. UC Berkeley muss einen Einschnitt von 500 Millionen USD verkraften, damit die Studiengebühren deutlich anheben, den Lehrkörper und Forschungsbetrieb reduzieren und fürchtet um den angesehenen Ruf der Universität. Dass dies die vielen nicht-Elite-Universitäten noch viel härter treffen wird, kann man sich ausmalen, auch wenn die absoluten Einschnitte im Vergleich zur UC Berkeley deutlich geringer ausfallen werden. Die meisten öffentlichen Universitäten haben in den vergangenen Jahren die Studiengebühren bereits drastisch angehoben. Auch an öffentlichen Universitäten kann ein Studium locker mehr als 20.o00 USD kosten – pro Jahr.

Über die Einschnitte am Beginn des Bildungssystems am Beispiel des Schuldistriktes Philadelphia haben wir ja schon einmal berichtet.

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