stettnersinusa

1 Jahr USA

In Uncategorized on 11. September 2010 at 21:10

Ein Jahr – vergangen wie im Flug. Dass nun schon „Halbzeit“ unseres geplanten Aufenthaltes in Philadelphia sein soll, können wir kaum glauben.

Jakob kurz nach unserer Ankunft in Philadelphia im September 2009 …

… und Jakob vor ein paar Tagen.

Vor einem halben Jahr haben wir ebenfalls ausführlich berichtet (zum Nachlesen hier klicken). Mit der Zeit vermissen wir hier immer weniger. Gleichzeitig wird aber auch klarer, dass wir hier nicht für immer leben möchten (was aber ja auch nie geplant war). Wir vermissen das gute deutsche Brot, auch wenn wir zugeben müssen, dass wir inzwischen auf dem Farmer’s Market und bei der Metropolitan Bakery ganz ordentliches Brot gefunden haben – preislich allerdings eine Dimension höher als in Deutschland. An unsere Fahrradausflüge ins Göttinger Umland, unsere guten Fahrräder und den Luxus-Fahrradanhänger denken wir etwas wehmütig zurück – diese hätten wahrscheinlich auch gerne ein aufregenderes Leben, als im Container auf bessere Zeiten zu warten. Jakob würde außerdem gerne mit seinen Cousins und seiner Cousine, sowie mit Freund Lukas spielen; Christine gerne mal wieder operieren – es dürfte dann sogar ein banaler Blinddarm sein… Die schönen Göttinger Schwimmbäder und wieder einmal samstags durch die Göttinger Fußgängerzone mit Jacobi-Kirche laufen, über den Wochenmarkt, und eine Kugel Eis für weniger als 5 USD…

Aber wir genießen das Kulturangebot in Philadelphia, das „faule Leben“, das wir derzeit führen können, aufstehen meist nach 7 Uhr, Arbeitsbeginn um 9 Uhr oder später, das Spielen mit Freund Linus und Freundin Baby, über den Campus auf dem Lucust Walk laufen, die Zoobesuche mit Kamelreiten, Zoo-Ballon-Fahrt, Karussell, Pommes mit Ketchup, keine Nachtdienste, den Clark Park mit Spielplatz und Farmer’s Market.

Die vergangenen 6 Monate waren geprägt von größeren Aktivitäten: Unsere Reisen nach Louisiana, Texas und Arizona. Meskos Besuch mit Visits in Washington, New York und an der New Jersey Shore. Ausserdem war Jakob das erste Mal richtig krank und wir hatten die Gelegeneheit, den Betrieb eines amerikanischen Krankenhauses kennenzulernen.

Im Labor habe ich zwei größere Versuchsreihen halbwegs beendet – leider mit „negativem“ Ergebnis. D.h. dass das Ergebnis nicht den Erwartungen entsprach. In der ersten Versuchsreihe war die Reaktion auf zwei Medikament in zwei verschiedenen Versuchstiergruppen (mit unterschiedlicher Vorbehandlung) identisch, obwohl aus vorangegangenen Untersuchungen anderes zu erwarten war. In der zweiten Versuchsreihe konnte eine Reaktion auf eine Stimulierung der Atmungsaktivität nicht wie erhofft durch ein bestimmtes Medikament blockiert werden.

Christine hat im Mai begonnen, ehrenamtlich bei RFBD (reading for the blind and dyslexic) mitzuarbeiten. Hier werden Hörbücher für Blinde und Menschen mit Dyslexie produziert, meist Fachbücher vom Kindergarten- bis zum Universtitätsniveau. Gegründet wurde die Organisation 1948 aufgrund der Nachfrage von aus dem Krieg zurückkehrenden Soldaten mit Augenverletzungen, die zwar Anspruch auf eine College-Ausbildung hatten, aber aufgrund ihrer Sehbehinderung keine Bücher lesen konnten. Inzwischen profitieren nicht nur Blinde, sondern v.a. Menschen mit Dyslexie (ca. 70% der Hörer) von dem Angebot. Etwa 5400 Ehrenamtlich zählt die Organisation in den USA, mit Studios in mehreren Bundesstaaten. Was macht diese Arbeit spannend? Einblicke in die unterschiedlichsten Fachrichtungen. Bücher, die man sonst niemals in die Hand nehmen würde. Wie werden Bilder beschrieben und komplexe Formeln gelesen, so dass auch Blinde das Buch verstehen? In der Regel arbeitet man zu zweit (einer liest, der andere korrigiert und macht die ganze Computerarbeit). Letzterer Posten wird als Director bezeichnet. Christine darf sich also stolz Director nennen… Neben dem sprachlichen Benefit lernt man auf diese Weise außerdem auch noch sehr interessante Menschen kennen – viele Renter, ehemalige Lehrer, Professoren, etc.

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